KURZE ZEITTAFEL DER HEXENVERFOLGUNG
 
Im Zeitraum zwischen 1450 und 1750 fallen allein im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation etwa 100 000 Menschen dem Hexenwahn zum Opfer

1215 Beginn der „Inquisition” (latein. für „Untersuchung”) zur Entdeckung von Ketzern.
   
um 1400 entwickelt sich der Begriff „Hexe” und eine „Hexenlehre”  mit den Bestandteilen Teufelspakt, zauberische Fähigkeit, Teufelsbuhlschaft, Hexenflug und Teilnahme an einem Hexensabbat.
   
1484 Papst Innozenz VIII erlässt die Bulle „summis desiderantes affectibus”, auch die Hexenbulle genannt. Diese Verlautbarung beinhaltete Vollmacht, Rechtfertigung und Verfahrensweise zur Hexenverfolgung.
   
1487 Heinrich Institoris veröffentlicht zusammen mit Jakob Sprenger ein Inquisitionshandbuch für Hexenprozesse – den „Hexenhammer” (latein. Titel: „Maleus maleficarum”); als Mittel der Befragung waren Folter, Wasserprobe usw. zugelassen. Der Hexenhammer erlebte bis in das 17. Jahrhundert 29 Auflagen.
   
1570–1580 Erste Hauptwelle der europäischen Hexenverfolgung.
   
1626–1630 Zweite Hauptwelle europäischer Hexenverfolgungen (absoluter Höhepunkt der Hexenverfolgungen auf dem Gebiet des heutigen Deutschland - u.a. im Hochstift Würzburg mit über 900 Toten zw. 1623 und 1631).
   


ZEITTAFEL DER HEXENVERFOLGUNG IM RAUM PADERBORN 1510 bis 1728
 

1495 erwirbt der Paderborner Priester Wulfhardus ein Exemplar des Hexenhammers und hält es besonders für Pastoren nützlich.
   
um 1510 Prozesse gegen Einzelpersonen, Verurteilungen erfolgen selten (der erste nachweisbare Prozess fand in Büren gegen zwei Frauen statt, die wahrscheinlich hingerichtet wurden).
   
ab 1555 weitere Prozesse in größeren Zeitabständen (kontinuierliche Prozesse gegen Hexen – 1575 Hinrichtung von drei Frauen in Paderborn).
   
ab 1572 ab dem Ende des 16. Jahrhunderts finden im Fürstbistum Paderborn drei größere Verfolgungswellen statt: 1590–1600 / 1628–1631 / 1656–1659.

Die selbstständigen Gerichtshöfe von Städten, Adel, Bischof und Domkapitel gehen gegen das „Hexenunwesen” vor. Es werden Hexenprozesse gegen 260 Personen geführt; in 204 Fällen endeten diese mit Hinrichtungen bzw. überlebten die Angeklagten die Haft nicht; es erfolgten nur 18 Freilassungen. Fast zwei Drittel der Verurteilten waren Frauen, Kinder wurden nur vereinzelt angeklagt.
   
1598 verhindert das Reichskammergericht in Speyer die Hexenjustiz des Domkapitels, Hinrichtungen dürfen nicht mehr durchgeführt werden.
   
1630–1631 Höhepunkt der Hexenverfolgung mit 85 Opfern („allein in der Herrschaft Büren werden nach Prozessprotokollen zw. Dezember 1630 und April1631 55 Personen hingerichtet”). Gerichtsort war Ringelstein.
   
1631 der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld (1591–1635; ab 1629 Moraltheologe in Paderborn) veröffentlicht anonym die Schrift „Cautio criminalis“ gegen die Hexenverfolgung. Beeinflusst durch dieses Werk will der Fürstbischof von Paderborn, Ferdinand I. von Bayern eine Hexenprozessordnung einführen.
   
1657–1659 finden etwa 50 Hinrichtungen nach Hexenprozessen im Hochstift Paderborn statt, trotz der ablehnenden Haltung der römischen Kurie und des stark unter Druck gesetzten Fürstbischofs Dietrich Adolf von der Recke.
   
1656 Massenverfolgung „besessener” Menschen im Fürstbistum Paderborn durch den Jesuiten Bernhard Löper.
   
1657 Tod eines als Werwolf bezeichneten Mannes unter der Folter in Wewelsburg.
   
1675 letzte Hinrichtung eines Hexers in der Gerichtsherrschaft Paderborn.
   
1694 Hinrichtung eines der Hexerei beschuldigten 12-jährigen in der Gerichtsherrschaft der Herren von Westfalen in Fürstenberg.
   
1700–1702 letzte Hexenverfolgungen und Hexenprozesse. Von zwölf Angeklagten wurden mindestens fünf – wahrscheinlich in Barkhausen – hingerichtet.
   
1728 in Winterberg wird das letzte Todesurteil wegen Hexerei in Westfalen gefällt.