Zeitsprünge
96 97 ZEITSPRÜNGE BÜREN ZEITSPRÜNGE BÜREN Abbildungen: Historische Fotos, Abb. 1 – 12: Stadtarchiv Büren, aktuelle Fotos, Abb. 1 – 12: Bürener Fotofreunde Quellen: Uraufnahme Karte Nr. 4417, Erstellt durch das Preußische Mi- litär 1836, Kreis Paderborn, Amt für Geoinformation, Kataster und Vermessung. Jesuitenvertrag mit der Stadt Büren 30.10.1732, Stadtarchiv Büren, Bestand B Nr. IV 13, Band 2, vgl. auch: Schnell, Dieter: Städtische Wasserleitung, dort ist eine Klarschrift des Ver- trages vorhanden. Abbildungen: Abb. 1: Stadtarchiv Büren // Abb. 2, 3: Matthias Rickling // Abb. 4: Kreismuseum Wewelsburg // Abb. 5: Amt für Geoinformation Paderborn // Abb. 7, 8: Gregor Lemm Anmerkungen: 1 Der Text basiert auf der Dissertation des Verfassers: Czeschick, Das Land- und Stadtgericht Büren 1815 – 1849 (Wissenschaftli- che Schriften der WWU Münster, Reihe III, Band 22), Münster 2017, online: http://nbn-resolving.de/urn :nbn:de:hbz:6-31279756886. // 2 Ein südlich der Stadt gelegenes Gelände, auf dem im 13. Jahr- hundert eine Erweiterung der Stadt geplant gewesen war, die letztlich nicht zur Ausführung kam. Dazu Schoppmeyer 1988. // 3 Wenn nicht anders angeführt, wurden für die vorliegende Arbeit Aktenstücke aus dem Verzeichnis LAV NRW OWL, M 9 Büren Nr. 7, 8, 15, 28, 40, 66 und 311 herangezogen. Sie umfassen den Zeitraum von Nov. 1817 bis Dez. 1838. // 4 Zur Geschichte des Hofes Heerde 1995. // 5 Stadtarchiv Büren, A I Nr. 3, Amtliche Ge- meindechronik Stadt Büren, S. 1 – 4. // 6 LAV NRW OWL M 9 Büren Nr. 28 Aktenstück vom 14.12.1836, Fol. 84v und 85r. // 7 Eine preußische Meile entspricht 7.532,5 m (2000 Preußische Ruten). // 8 Extract der Instruction über die Justizorganisation, LAV NRW W, Regierungskommission Paderborn, Nr. 96, Fol. 3 r. f. // 9 LAV NRW W, Regierungskommission Paderborn Nr. 95, Fol. 19 v. // 10 Koch 1848, S. 336 – 366. // 11 Lück 2008, Sp. 1510; Koch 1848, S. 288 Fn. 8. // 12 Koch 1832, S. 24 – 27. // 13 LAV NRW OWL, M 9 Büren Nr. 311, Bodefeld/Riese, nicht foliiert. // 14 Dazu Czeschick 2012, S. 819 – 821. // 15 Detailreicher Überblick bei Ahrens 2007, S. 145 – 248 // 16 Frotscher/Pieroth 2016, Rn. 330. // 17 Ebert 2005, S. 193; kurzer Überblick bei Kewer 1970, S. 88 f. // 18 LAV NRW OWL, M I 1 L Nr. 99, Aktenstück o.D., Fol. 218 v. // 19 Landgemein- de-Ordnung für die Provinz Westphalen. Vom 31. Oktober 1841, Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten 1841, S. 297 – 321. // 20 §4 Zweites Gesetz zur Änderung der Organisa- tion der ordentlichen Gerichtsbarkeit vom 6. Juli 1976, GV. NW. 1976, S. 257; Stadtverwaltung Büren 1988, S. 17. // 21 Landtag Nordrhein-Westfalen, Drucksache 8/530, S. 5, 11 f. Abbildungen: Abb. 1: Wolfram Czeschick // Abb. 2: LAV NRW OWL D 73 Tit. 4 Nr. 10 // Abb. 3: AV NRW OWL M 9 Büren Nr. 40 // Abb. 4: LAV NRW OWL M 9 Büren Nr. 66 // Abb. 5: LAV NRW OWL M 9 Büren Nr. 311 // Abb. 6: Stadtarchiv Büren Abbildungen: Abb. 1 – 12: Museum Wewelsburg Abbildungen: Abb. 1, 4 – 6, 8, 10 – 12: Privatarchiv Reinhard Kurek // Abb. 2, 7: WikimediaCommons // Abb. 3: Matthias Rickling // Abb. 9: Stadtarchiv Büren Abbildungen: Abb. 1, 4 – 6, 8, 10 – 12: Privatarchiv Reinhard Kurek // Abb. 2, 7: WikimediaCommons // Abb. 3: Matthias Rickling // Abb. 9: Stadtarchiv Büren Impressionen vonGestern undHeute Gregor Lemm: Bürens hölzerne Lebensadern Dr. Björn Czeschick: Bürener Gerichtsgeschichte Markus Moors: DieWewelsburg imNationalsozialismus Reinhard Kurek: NATOKaserne Stöckerbusch Der Jesuitenpfad F U S S N O T E N , Q U E L L E N , A B B I L D U N G S N A C H W E I S E 49 ZEITSPRÜNGEBÜREN ZEITSPRÜNGE IMPRESSIONENVONGESTERN&HEUTE HausAckfeldander Bertholdstraße (Abb. 1–2): Stadtarchiv,Postkarte 1931 / JürgenKemper,Bürener Fotofreunde,2019. 62 63 ZEITSPRÜNGEBÜREN ZEITSPRÜNGEBÜREN GREGOR LEMM VONPIEPEN,KÜMPEN UNDSISSEMÄNNEKES BÜRENSHÖLZERNELEBENSADERN F ür die Menschen in Europa ist es heute selbstverständlich,dass in je- dem Haushalt genugWasser da ist. Trinken, Kochen, Waschen, Körper- pflege–einkleinerDrehamWasser- hahnund schon sprudeltdas kühle Nass in Lebensmittelqualität heraus. Die heißen Sommer der letzten Jahre haben schon gezeigt, was füreinwertvollesGutunserWasser ist. EinBlick indieVergangenheitderStadtBüren soll verdeutlichen,welchenwassertechnischen Luxus wir heute genießen dürfen. Der folgende Beitrag zeigt,welchen Aufwand die Bewohner Bürens in den letzten Jahrhunderten trieben, um sichmit dem frischen, sauberen Lebenselixier zu versor- gen. DerWeg desWassers von derQuelle bis ins Hauswarein langer. Büren liegtamZusammenflussvonAlmeundAfte. EsgibtgenugWasser fürdieBewohner,Tiereund FelderunddieseWasserverhältnissekönnenauch einGrundderStadtväter fürdieStadtgründungan dieserStelle gewesen sein.Dennnebenderdirek- ten VersorgungderBewohnermitWasser konnte die Strömung auch zahlreicheWassermühlen an- treiben. Lange Zeit ein unschätzbarer Vorteil für eineStadt.Aber im16.Jahrhundertwandelte sich das Bild und die Bevölkerung stellte höhere An- sprüchean ihreWasserversorgung.DieFlüsseum BürenherumwarendurchdienäheranderQuelle liegendenDörferbereitsmehroderweniger stark verschmutzt.Und natürlich variierten dieWasser- ständederFlüsseschondamals,sodasses inden SommermonatenzuEngpässenkommenkonnte. Nachteiligwirkte sich dieOrtslage auf dem Berg- spornaus.BeiderVerteidigunggegenRäuberund Feinde von strategischem Nutzen, war sie aber ein Nachteil bei derWasserversorgung. Die Mäg- de und Knechtemussten dasWassermit Eimern mühsam aus dem Fluss schöpfen und durch die Stadttore hindurch das Wasser bis hoch in die Stadt tragen. Zudemwaren nachts die Stadttore natürlich geschlossen – wer sich also verschätzt hatte,musste bis zum nächsten Morgen warten, umwiederWasserholenzukönnen. Daneben benötigten nicht nur die Menschen di- rekt Wasser – auch das Vieh, das damals noch oftmit in denHäusern lebte. Ebenfallswaren die Brauereien und Branntweinhersteller auf hygie- nisch einwandfreies Wasser für ihr Auskommen angewiesen. (ImJahre1803 sind6Bierbrauerund 14Branntweinbrennereien inBürenverzeichnet). Besonders deutlich zeigte sich die fehlendeWas- serverfügbarkeit bei Stadtbränden. Durch die seinerzeit übliche Holz- oder Fachwerkbauweise mit Strohdächernwar dieBrandgefahr viel höher als heute. Feuersbrünste, die ganze Straßenzüge inSchuttundAsche legten,wareneinealltägliche Gefahr. Da waren Wasserreserven und schnelle Verfügbarkeit fürdie effizienteBrandbekämpfung eine überlebenswichtige Notwendigkeit. So war auch noch im 16. Jahrhundertmit der Einbürge- rung die Übergabe eines ledernen Löscheimers verbunden . Die langeLeitungderWassermeister Die Bürger der Stadt waren also früher genauso aufWasser angewiesenwiewir heute. Eine Brun- nenbohrung für die Versorgung der gesamten Bevölkerung im Stadtgebietwardamals trotzder technischenEntwicklungwegendes steinigenUn- DerMarktkumpum 1925 (Abb. 1): Vonseinerangestammten zentralenStelleaufdemMarkt wurdederWasserbehälter 1979 andiePfarrkircheversetzt. LebenselixierWasser (Abb.3): MitdenbeidenFlüsschenAlmeundAftegelangtdasunentbehrlicheNass insBürenerStadtgebiet– im 16.JahrhundertwardiesesNass leidermeist ungenießbar. DieBohrmühlezuBüren (Abb.2): EineinzigartigesTechnikmuseum. 68 69 ZEITSPRÜNGEBÜREN ZEITSPRÜNGEBÜREN A m 31. Januar 1836 erlebte das Bürener Land einen plötzlichen Wintereinbruch – ausgerechnet einenTag,bevor IgnatzSpancken in wichtigen Angelegenheiten von Büren nachWünnenberg rei- senmusste. 1 Aufgrund des „tiefen Schnees“ fand er sich „umsomehr bewogen, schon an diesem Tage in Begleitung des Herrn Actuars Struck (...) die Reisemit dem brokmeyerschenWagen nach Wünnenberg anzutreten (...) um zu der bestimm- tenZeit 9UhrMorgensmitderArbeitdenAnfang zumachen.“ Und inderTaterwiessichdieReisenichtals leicht: „obgleich der Wagen mit zwei Starken Pferden bespannt war, so blieb Solcher doch schon hier gleichvorBürenaufder sogennanntenNeustadt 2 4mal feststehen,undweiter aufdemWegemehr- mals so daß, um den Wagen fortzubringen der Herr Actuar Struck (...) bis Hegenstorf den Weg größtentheils zu Fuße zumachen genotiget und diePferdebeiunserAnkunft inWünnenberg ganz abgetrieben und erschöpftwaren.“ Spancken ver- brachtedieNacht auf seinemGut inWünnenberg und begann am nächsten Morgen mit den Ge- schäften. Die Arbeit nahm den ganzen Tag in An- spruch.Es „wurde indem LaufkötterschenHause indergewöhnlichenWirthschaftsStubedamitum 9Uhr der Anfang gemacht, und die Arbeit bis un- gefähr 1 Uhr Nachmittags fortgesetzt; um 3 Uhr Nachmittagswieder angefangen, und gegen½ 7 Uhr Abends beendiget.“ Erst am Dienstag kehrte Spancken nach Büren zurück. Diesmal hatte der Fuhrmann vier Pferde mitgebracht, sodass der Rückweg durch den Schnee ohneweitere Proble- megelang. 3 Ignatz Spancken besaß und bewirtschaftete das heute noch als „Spanckenhof“ bekannte Gut in Wünnenberg. 4 Doch die Geschäfte, die ihn und seinen Sohn an diesem verschneiten Januartag in dieWirtsstube des Bürgermeisters Laufkötter nachWünnenberg führten, hingen nichtmit der Gutsverwaltung zusammen. Ignatz Spancken war Richter. Seit dem 18.Oktober 1817war er As- sessor, beisitzender Richter am Land- und Stadt- gericht Büren. Dieses Gericht war im Jahre 1815 gegründet worden, nachdem im Nachgang der napoleonischenKriegedasvormaligeFürstbistum PaderbornerneutTeilderpreußischenMonarchie gewordenwar. Schon lange vor Ankunft der Preußenwar Büren Gerichtssitz gewesen.Die zu Beginn des 19. Jahr- hunderts einsetzende Stadtchronikberichtet von einem „Gogericht“,dasseinenSitzaufdemvorma- ligenJesuitenkolleghatteund fürdieStadtBüren sowie die „zurHerrschaft Büren gehörenden Dör- fer Steinhausen, Eickhoff, Weine, Siddinghausen, Haarth,Weiberg, Barckhausen, Hegensdorff und Keddinghausen“zuständigwar.Ab1805ersetzten diePreußendiesesalthergebrachteGerichtdurch einJustizamt 5 ,dasaber–napoleonischemKriegs- glück geschuldet – schon bald einem Friedensge- richtnach französischemVorbildweichenmusste. Nach der Niederlage Napoleons gründete man dasLand-undStadtgericht. Ignatz Spanckenwar immer dabei gewesen. Der am1.August1770geborene Juristhatte von1794 bis 1808 ein „Patrimonialgericht“ – das Privatge- richt eines Adligen über seine Güter – verwaltet. In der Franzosenzeitwechselte Spancken in den Staatsdienst undwurde Friedensrichter in Büren. Mit dieser Erfahrungwar er qualifiziert, zunächst Actuar – eine Art Verwaltungsbeamter – und ab 1817 schließlich zum Assessor am Land- und Stadtgericht ernannt zu werden. Diese Funktion führte ihnnun aufdenbeschwerlichenWegnach Wünnenberg.Spancken solltedorteinenGerichts- tag abhalten. Statt die Rechtsuchenden nach Bü- renkommenzu lassen,kamdasGerichtzu ihnen. Der Andrang war beachtlich. Schon bei diesem ersten Gerichtstag am 1. Februar 1836 zeichne- te sich ab, dass ein Tagwohl in der Zukunft nicht genügenwürde.Nur,weil der Schnee es den Ein- wohnern „der oben am Senndfelde belegenen Ortschaften“ unmöglich machte, nach Wünnen- bergzukommen,konntendieGeschäfteaneinem Tagabgeschlossenwerden.BeidenGerichtstagen BJÖRN CZESCHICK BÜRENER GERICHTSGESCHICHTE IN PREUSSISCHERZEIT NordflügelMauritius-Gymnasium (Abb. 1): ImErdgeschossdesehemaligen Jesuitenkollegsnahm 1815dasLand-undStadtgerichtBürenseineArbeitauf. V. (on) R. (echts) W. (egen) 77 ZEITSPRÜNGEBÜREN 76 ZEITSPRÜNGEBÜREN WenigeMonatenachdemdieNationalsozialisten 1933dieMacht inDeutschlandübernommenhatten, geriet die Wewelsburg in das Blickfeld des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler. Von seinem ersten Besuch in Wewelsburg am 3. November 1933 an bis zum Ende der nationalsozialistischen Diktatur im Frühjahr 1945 betriebHimmlerdenUm-undAusbaudesehemaligenResidenzschlossesderFürstbischöfevonPaderborn in eineStätte,dieeinebesondereBedeutung fürdieSSerlangensollte. beachteten Ort der wissenschaftlichen Auseinan- dersetzungmitderGeschichtederSSgeworden. DasSchlossWewelsburgbis1933 Bis zurück um das Jahr 1000 n. Chr. lassen sich befestigte Anlagen auf dem Wewelsburger Berg- sporn oberhalb der Alme nachweisen. Das heuti- ge SchlossmitNamenWewelsburgwurde in den Jahren1603bis1609 imStilderWeserrenaissance errichtet. Vorhandene Gebäude wurden dabei in die neue Anlage integriert. Bauherr war der Pa- derborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg (Regierungszeit1585–1618),derdieneueWewels- burg alsNebenresidenz und Jagdschloss für sich undseinegeistlichenNachfolgeralsLandesherren desHochstifts Paderborn vorsah. Seine außerge- wöhnliche dreieckige Form verdankt das damals entstandeneherrschaftlicheHaus seiner Lage auf dem spitz zulaufendenHügelamwestlichenRand des gleichnamigen DorfesWewelsburg. Die Fürst- bischöfe von Paderborn besuchten ihre zweite Residenz neben dem SchlossNeuhaus allerdings nur sporadisch und seit 1718 gar nichtmehr.Mit der Inbesitznahme des Fürstbistums Paderborn durchdasKönigreichPreußen (1802) imZugeder Säkularisation der geistlichen Fürstentümer am Ende desHeiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ging dieWewelsburg in das Eigentum des preußischen Staates über. Nach wenigen Jahren folgte ab 1807 eine kurze Phase der Zugehörig- keitdesPaderbornerLandeszumnapoleonischen Satellitenstaat des Königreichs Westphalen, bis 1813 die Preußen zurückkehrten und das Gebiet langfristig in ihren Staat eingliedern konnten. Auf die jeweiligen fürstbischöflichen Verwaltungsbe- I n der Entwicklung dieses Projekts spie- gelnsichderAufstiegHimmlerszueinem der mächtigsten Männer des „Dritten Reiches“ und der immer stärker aus- geprägte Machtanspruch der terroris- tischen Gewalt-Organisation SS wider. OffenbarexistiertenzukeinemZeitpunktwährend der 12-jährigenNazi-Herrschaftmehrals vageVor- stellungenvondenkonkretenFunktionen,diedas SchlossWewelsburg fürdieSSübernehmensollte. Sogutwienichts vondem,wasHimmlerund sein ArchitektHermann Bartels inWewelsburg bauen ließen oder planten, wurde fertiggestellt. Noch viel weniger erreichten die Planungen zu irgend- einemZeitpunkteinenStand,deralsendgültig zu betrachten wäre. Vom Beginn des ZweitenWelt- kriegs an betrachteten Himmler und Bartels das gesamte Dorf Wewelsburg als Gelände für eine zukünftige SS-Burg. Der Mangel an dokumenta- risch nachweisbarer Sinngebung in Kombination mit Himmlers Geheimnistuerei und der schieren GrößederspäterenarchitektonischenPläneschuf den Raum für zahllose, teilweise absurde Speku- lationen,Mythen und Legenden, die dasBild des historischen NS-TäterortsWewelsburg in großen Teilen der Öffentlichkeit –weit über die Grenzen Deutschlandshinaus–bisheutebeeinflussen. 1.300 Menschen brachte die SS in dem kleinen ostwestfälischen DorfWewelsburg zu Tode. Seit vier Jahrzehnten hält das KreismuseumWewels- burg durch wissenschaftliche Forschungen, Dau- er-undSonderausstellungen sowieumfangreiche gedenkstättenpädagogische Arbeiten die Erin- nerung an dieOpfer der SS inWewelsburgwach. Zugleich ist das Museum zu einem international Aufnahmevon 1949 (Abb.2): DieWewelsburgnachderZerstörunganOstern 1945. LuftbildderWewelsburg (Abb. 1): HeuteSitzderErinnerungs-undGedenkstätte Wewelsburg 1933– 1945. IdeologieundTerrorderSS. Postkarteausden 1920er-Jahren (Abb.3): LuftbildaufnahmedesSchlossesunddesDorfesWewelsburg. MARKUS MOORS DIEWEWELSBURG IM NATIONALSOZIALISMUS SS-SCHULEHAUSWEWELSBURG 87 ZEITSPRÜNGEBÜREN E ndeder1950erJahre,mitten imso bezeichneten „Kalten Krieg“. Auf das umfangreiche Aufrüstungs- programmdesWarschauerPaktes imOsten erfolgte in jenen Jahren einebensolches,wennnicht sogar umfassenderes, imwestlichenBündnisderNATO. DadieBewaffnungdie jeweiligenStaatshaushalte immens belastete, setzte man hier wie dort zu- nehmend auf Atomwaffen, die den jeweiligen Be- fehlshabernals einzigewirtschaftlicheAlternative zu den konventionellen Truppen erschien – be- sonders in Hinsicht auf das Übergewicht der in Europa stationierten konventionellen Einheiten des Warschauer Paktes. Am 30. Januar 1961 er- klärte US-Präsident John F. Kennedy den Kampf gegen den Kommunismus weltweit zum zentra- lenAnliegen seinerAußenpolitikund leitetedamit einedergrößten sowohlkonventionellenalsauch atomarenAufrüstungsphasenderUSAund seiner NATO-Verbündeten ein.Dochwer in jenen Tagen glaubte,das „Säbelrasseln“derWeltmächtespiele sichnur inweit entferntenGegenden ab, sah sich baldgetäuscht… KalteKrieger inOstwestfalen Das bereits seit 1955 in Deutschland stationierte 71st Ordnance Battalion wurde im März 1962 in die59thOrdnanceBrigadeumbenannt,einemVer- bandderUS-Army,derbiszuseinerAuflösung1992 für die Versorgung der NATO-Landstreitkräfte in Deutschland, Holland, Portugal, Italien, Griechen- landundderTürkeimitnuklearerMunition verant- wortlichwar.Das zuständigeHauptquartier hatte seinen Sitz in Pirmasens. Fortan wurde Deutsch- land vomSpecialAmmunitionSupportCommand (SASCOM) flächendeckend mit nuklearen Versor- gungslagern ausgestattet. Eines der rund Einhun- dert „Atomlager“wurde auch in direkterNachbar- schaft einer ostwestfälischen Kleinstadt errichtet. InBürenentstandeinebelgischeGarnison. Da man Belgien nach dem Zweiten Weltkrieg nachträglich zur Sieger- und Besatzungsmacht erklärt hatte, oblagen dem Land als Nato-Part- ner ebenfalls umfangreiche Sicherungsaufgaben. Angefangen von Aachen über Bonn, Köln, das Bergische Land,Haarstrang,Ostwestfalenbishin nachKasselwurden in einembreitenStreifenbel- gischeTruppen stationiert.Diese sowiedeutsche undniederländischeEinheiten sollten imErnstfall von Büren aus mit nuklearer Munition versorgt werden. Somit stand die Bürener Kaserne unter belgischem Oberbefehl, während die Befehlsge- walt über die Atomwaffen selbst bei der US-Ar- mee blieb. Dem amerikanischen Kommando in Büren unterstanden zudem weitere atomare Ver- sorgungslager inWerl, Soest-Büecke, Düren und Köln-Dellbrück. (Die atomaren Versorgungslager in Paderborn und in Paderborn-Sennlagerwaren für die britischen Streitkräfte gedacht und unter- standenderenHauptquartier inHandorf.) So begannman 1960 nahe Bürenmit umfangrei- chen Rodungs- bzw.Bauarbeiten. Etwa siebenKi- lometer vonder Stadt entfernt entstand imWald- stück Stöckerbusch ein großerKasernenkomplex. DieserWaldwar ursprünglich im Besitz der Edel- herrenvonBüren,späterdesJesuitenordens,und fiel nach Aufhebung des Ordens schließlich als Sondervermögen „HausBüren’scherFond“andas Land Nordrhein-Westfalen und wird vom „Haus Büren“ verwaltet undbewirtschaftet. Somit konn- te die Anlage auf staatlichem Grund entstehen undeskonnte zügigundohne langeDebattenmit derenBaubegonnenwerden.DieBauleitungund -aufsicht lag inderAnfangsphasebeimdeutschen Finanzbauamt zu Paderborn. Bereits Ende 1961 wardieKaserne fertiggestelltund schon im Janu- ar 1962 konnten die ersten Soldaten einquartiert werden.1976,dieStadtBürenwar inzwischenmit dem belgischen Kortemark eine Städtepartner- schaft eingegangen, wurde die Kaserne Stöcker- busch offiziell in „Kwartier Kortemark“ (flämisch) oder auch „Quartier Cortemarck“ (französisch) umbenannt. Diesen Namen behielt sie bis zum Ende des „Kalten Krieges“ bei, allerdings konnte er sichweder bei den Amerikanern noch bei der BürenerBevölkerungdurchsetzen. Sendemast (Abb. 1): Der rot-weißeSendemastwardasweithin sichtbare „Wahrzeichen”derBürenerKaserne. „HonestJohn” (Abb.2): Dienacheinem Indianerkriegerbenannte Boden-Boden-Kurzstreckenraketewar in Deutschland inelfBataillonenstationiert. DieatomarenSprengköpfe lagerten in Büren. 19 60 60 19 NATO-Kaserne Stöckerbusch REINHARD KUREK DER „KALTEKRIEG„VOR UNSERENTÜREN 96 97 ZEITSPRÜNGEBÜREN ZEITSPRÜNGEBÜREN A ufdenSpurendesEdelherren „MoritzvonBüren“ führtdieRoutedurchdieWälderundFlusstälerdesBürener Landes.Der 27 km lange Rundwanderweg beginnt inBüren auf demMarktplatz und verläuft über dieBurg- straße vorbei an der prächtigen Jesuitenkirche und dem Jesuitenkolleg. Auf dem Sintfeld-Höhenweg geht es durch den Bürener Stadtwald bis in denHaarenerWald.Weiter geht es über den Ahdener Talweg nach Wewelsburg.DortbestehtdieMöglichkeit zurBesichtigungdesHistorischenMuseumsundder zeitgeschicht- lichenDokumentation.DerRückweg verläuftdurchdas reizvolleAlmetalüberAhden nachBrenken.Ander Markuskapelle inBrenken verlassenSiedasAlmetalundwandernüberdenPanoramawegbergauf inRichtungHellweg. Von hieraushatmaneinenherrlichenBlicküberdenzurückgelegtenWeg.AnschließendwandernSiewiederbergabundeinkurzes StückübereinalteBahntrassezurücknachBüren. DERJESUITEN-PFAD WanderungdurchdasBürenerLand DIE8STATIONENAUFDEMWEG JESUITENKIRCHE DieMaria-Immaculata- Kirche inBüren isteines derprächtigstenbarocken Baudenkmäler inWestfalen. DasBauwerkwurdevon 1754 bis 1773erbaut. 1991wurde sienacheinervierjährigen, aufwendigdurchgeführten Renovierungwiederzudem strahlendschönenBauwerk alterZeiten. 1 1 2 3 4 6 WEWELSBURG DieBurgwurdeAnfangdes 17.Jhs.vomPaderborner FürstbischofDietrichvon Fürstenbergerrichtet. Inder Anlagebefindensichheute dasHistorischeMuseumdes HochstiftsPaderbornund dieErinnerungs-undGe- denkstätteWewelsburg 1933 – 1945sowieeinebeliebte Jugendherberge. 5 KLUSKAPELLE,AHDEN EinesderältestenGebäude vonAhden istdieKluska- pelle,die 1433erbautwurde. Siewurde im30-jährigen Kriegzerstört,um 1700 inder Dorfmitteneuerrichtetund istdemheiligemAntonius geweiht. 1912wurdesieab- gerissenund 1933ander ursprünglichenStelleneu errichtet. 8 MÜHLEN INBÜREN Die750JahrealteMittelmüh- le istdasältesteweltliche Bauwerk inBürenundheute ein „MuseumzumAnfassen”, ebensodiebenachbarteklei- neBohrmühle. Inderehe- maligenNiedermühlefinden heutezahlreicheKulturver- anstaltungen ineinemun- vergleichlichenhistorischen Ambientestatt. JESUITENKOLLEG DasJesuitenkollegwurde von 1717– 1728 errichtet. Danach waren indem Gebäudeu.a.einLehrersemi- nar (1825– 1925),dieMauri- tiusschule (1922– 1952)und einpreußischesLand-und Stadtgericht,spätereinAmts- gerichtuntergebracht.Seit 1946befindetsichdarindas Priv.Mauritius-Gymnasium. BURGRUINEBRENKEN DieNiederburgwarderHer- rensitzderFamilievonBren- ken.Unterhalbdes jetzigen FamiliensitzesSchlossEr- pernburg liegtdieRuineder altenWasserburg.Bekannt als „NiederburgaufderBrede“ warsiederalteStammsitz derFamilie.TrotzZerstörung im 17.Jh.sindheutenoch Restezuerkennen. MARKUSKAPELLE GegenübervomHucken- puhlstehteinekleine Backsteinkapelle.Die EheleuteAdolphPahlsund AnnaRichterhattendie demEvangelistenMarkus geweihteKapelle 1861er- richtet. ImJahr2000wurde das „Kleinodkatholischer, bäuerlicherKulturgeschich- te”komplett renoviert. 7 PFARRKIRCHEST.KILIAN DieKatholischePfarrkirche St.Kilianzähltzudenältes- tenGotteshäusern imPader- bornerHochstift.Zentral,auf einererhöhtenStelledesTals, stehtdiekreuzförmige,drei- schiffigePfeilerbasilika,die aufdas 12./13.Jh.zurückgeht. DiealteKirchebirgtheutebe- merkenswerteKunstschätze ausverschiedenenEpochen. 2 5 3 6 4 7 8 L I T E R AT U R AHRENS, MARTIN: Prozessreform und einheitlicher Zivil- prozess. 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