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Deportation der letzten in Büren verbliebenen Juden vor 80 Jahren

29. Mär 2022

In der Stadtchronik Büren für 1942 wird in breiter Ausführlichkeit und Vollständigkeit der Juden gedacht, die als letzte noch in Stadt und Amt Büren gelebt hatten.

In der Stadtchronik Büren für 1942 wird in breiter Ausführlichkeit und Vollständigkeit der Juden gedacht, die als letzte noch in Stadt und Amt Büren gelebt hatten. Im ersten Teil dieses makabren Gedenkens liest man: „Soweit die Juden in den letzten Jahren nicht aus Büren verzogen waren oder sich ins Ausland begeben hatten, wurden sie aus Stadt und Amt Büren auf höhere Anordnung am 30. März nach Paderborn zum Transport nach dem Osten gebracht. Es waren dies:

I. aus der Stadt Büren
Siegfried Silberberg,
dessen Ehefrau Betti geb. Neufeld,
deren Kind Ruth Silberberg,
Lisette Silberberg geschiedene Sternberg, eine Schwester von Siegfried
Hermann Levy,
dessen Ehefrau Adele geb. Steinberg (Bei Hermann und Adele Levy Zusatz:) zugezogen von Brenken im Jahre 1937

II. Aus dem Amt Büren
1. Siegmund Rosenthal
2. (Lucia, falscher Vorname, richtig:) Lina Rosenthal
3. Arthur Rosenthal
4. Beata Rosenthal. Letztere wurde am 28. 7. 1942 weggebracht, weil sie vorher krank war. (Bei allen Rosenthals der Zusatz: Geschwister, wohnhaft in Weiberg).
5. Max Steinberg, wohnhaft in Brenken.
6. dessen Ehefrau Klara geb. Steinberg, wohnhaft in Brenken.“

Das Foto zeigt die bis zuletzt in Büren verbliebenen Juden, 1939: (sitzend von links nach rechts) Betti Silberberg, geb. Neufeld, Hedwig Schild, Franziska Goldschmidt geb. Ehrlich, Adele Levy geb. Steinberg, Lisette Silberberg gesch. Sternberg; (stehend von links nach rechts) Julius Rosenberg, Hermann Levy und Siegfried Silberberg. Nur Franziska Goldschmidt überlebte die Verfolgung. (Foto: Stadtarchiv Büren).
Das Foto zeigt die bis zuletzt in Büren verbliebenen Juden, 1939: (sitzend von links nach rechts) Betti Silberberg, geb. Neufeld, Hedwig Schild, Franziska Goldschmidt geb. Ehrlich, Adele Levy geb. Steinberg, Lisette Silberberg gesch. Sternberg; (stehend von links nach rechts) Julius Rosenberg, Hermann Levy und Siegfried Silberberg. Nur Franziska Goldschmidt überlebte die Verfolgung. (Foto: Stadtarchiv Büren).

Der „Transport nach dem Osten“ war eine der im Rahmen der „Endlösung der Judenfrage“ getroffenen Maßnahmen, für die es noch andere verlogene Tarnnamen gab wie „Evakuierung“, „Abschiebung“ „Verschickung“ oder „Umsiedlung“. Die von Gott und der Welt verlassenen Juden durften auf die Reise, deren geographisches Ziel sie nicht kannten, 25 kg Handgepäck und Verpflegung für zwei Tage mitnehmen. Alles, was ihnen sonst gehörte, mussten sie zurücklassen, als sie am Morgen oder Vormittag des 30. März nach Paderborn ins Jüdische Waisenhaus gebracht wurden. Vom Bahnhof Kasseler Tor wurden sie nach Bielefeld gefahren, wo sie unter räumlich und hygienisch jammervollen Verhältnissen in der als Sammellager eingerichteten Gaststätte „Kyffhäuser“ übernachten mussten. Am 31. März ging es mit inzwischen mehr als 300 Juden aus Ostwestfalen weiter nach Hannover in einem von außen verschlossenen Zug, der mit 75 Juden aus Gelsenkirchen, Münster und Dortmund in Gelsenkirchen abgefahren war. In Hannover und bei einem weiteren Halt in Braunschweig mussten insgesamt noch über 500 Juden zusteigen, bevor das Ziel des Schreckens, das Warschauer Ghetto, am frühen Morgen des 1. April 1942 erreicht war.

Als Mitte Mai 1943 der von einer jüdischen Kampforganisation begonnene Aufstand im Warschauer Ghetto von der deutschen Übermacht unterdrückt worden war, werden die Bürener Juden spätestens nicht mehr am Leben gewesen sein. Kontakte nach außen hatten von den am 30. März 1942 Deportierten, soweit bekannt, nur Max und Klara Steinberg noch gehabt. In einem sehr beeindruckenden, vierseitigen Brief vom 26. Juni 1942 an ihre Nachbarin Maria Köster schrieb Klara Steinberg, wie sehr ihr die Heimat fehlte. Sie erkundigte sich nach vielen Einzelheiten in Brenken und bat auch um Pakete mit Lebensmitteln. Jeder Satz spiegelte ihre innere Verbundenheit mit den Brenkenern und ihr Heimweh wider. Sie bat, alle Bekannten zu grüßen. Sie schrieb nicht von den unvorstellbar schlechten Bedingungen, unter denen die jüdischen Menschen in Warschau hausen mussten. Dann wäre der Brief nämlich nicht durch die Zensur gekommen und sie hätte sicherlich mit schlimmen Repressalien rechnen müssen. Natürlich liest man zwischen den Zeilen vom unbeschreiblichen Hunger, der im Ghetto herrschte und deswegen sie „Bettelbriefe“ an ihre Nachbarin schrieb. (Der Brief befindet sich inzwischen dank des Einsatzes von Mechthild Scherf im Stadtarchiv Büren.)

Der Heimatverein Büren wird aus Anlass der Deportation vor 80 Jahren am 30. März 2022 vormittags Kerzen am Synagogendenkmal in der Detmarstraße anzünden.

Text nach: Hans Liedtke / Heinrich Sprenger, Juden in Büren, Heimatverein Büren, 2017, S. 216 ff.

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